Verklärung des Herrn – der Soundcheck Gottes

Gedanken zu Mt 17,1-9

In seiner Verklärung strahlt Jesus die Größe und Schönheit Gottes aus.

Wie klingt es? Passt die Abmischung? Können alle alles gut hören? ­Herman van Veen beim Soundcheck. Foto: dpa

 

von Andreas Rohde

„Verklärung des Herrn“ – so heißt das Fest, das wir an diesem Sonntag feiern. „Verklärung“ – ein bemerkenswertes Wort. In unserer Erinnerung kann sich so manches verklären. Wer etwas verklärt, stellt etwas besser dar, als es gewesen ist; der idealisiert eine Situation – bewusst oder unbewusst. Es gibt aber auch den berühmten „verklärten Blick“ – dann strahlen die Augen, bekommen einen glücklichen, beseelten Ausdruck.

„Strahlen“, „Verwandelt-­Sein“ – das sind Begriffe, die im Evangelium auftauchen. Es geht hier aber nicht um eine Idealisierung oder eine geschönte Erinnerung, sondern um eine Verklärung im Sinne einer Klarheit.

Zunächst fällt der Ort der Szene auf: ein Berg. Ein Berg wird nur im Aufstieg erklommen – die Bibel meint damit auch immer einen inneren Aufstieg. Der Berg, der Gipfel befreit von der Last des Alltags. Er vermittelt reine Luft, Stille, Weite, die man mit allen Sinnen genießen kann, und natürlich einen wunderbaren Ausblick. Wer auf einem Berg steht, hat einen guten Blick, kann weiter sehen als im Tal, überschaut die Dinge. Um die Klarheit eines besonderen Weit- und Durchblickes geht es im Evangelium.

Petrus, Jakobus und Johannes werden oben auf dem Gipfel Zeugen eines eigentümlichen Vorganges. Jesu Kleider werden weiß und strahlen. Aber es sind nicht die Kleider allein. Jesus selbst strahlt plötzlich etwas für sie aus, was sie vorher noch nicht gesehen oder bemerkt haben. Und diese Ausstrahlung Jesu kommt von innen her. Papst Benedikt XVI. beschreibt in seinem Jesusbuch die Verklärung als „Gebetsereignis“. Weil Jesus in enger Verbindung zum Vater steht, durchdringt ihn ein besonderes Leuchten, bekommt er eine besondere Ausstrahlung.

Noch wissen die Jünger nicht genau, was da vor sich geht, aber dann erklingt eine Stimme aus dem Himmel – und das erinnert uns nun ganz stark an die Taufszene Jesu: „Das ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören.“ Nun ist es völlig klar: Jesus ist der Sohn Gottes. Was er sagt, hat göttliche Autorität und deshalb lohnt es sich, auf ihn zu hören.

Auch wir werden nun mit dieser Klarheit konfrontiert und dürfen uns selber fragen: Sind unsere Antennen so eingestellt, dass wir auf IHN hören können? Fällt etwas von dem Strahlen Jesu auch auf uns? Stehen wir mit ihm in Beziehung?

Vor Konzerten wird ein sogenannter „Soundcheck“ gemacht, um zu prüfen, ob die Technik stimmt, ob die Abmischung der Instrumente in Ordnung ist, damit am Ende gute Musik herauskommt. Zu einem solchen Soundcheck lädt uns das Evangelium ein. Wie hört sich Jesus an? Wie klingt er in meinen Ohren?

Und auch: Stimmt die Technik? Also: Was tue ich, damit ich ihn überhaupt hören kann? Stimmt die Abmischung oder sind andere Töne so laut, dass die Stimme Jesu übertönt wird?

Wir sind eingeladen zu einer besonderen Art von Gipfelerfahrung, bei der wir innehalten und die Dinge um uns herum neu überschauen oder manches durchschauen, um in die Tiefe und Weite des eigenen Seins zu hören. Manchmal braucht es im alltäglichen Wirrwarr eine Gipfelpause, in der man sich alles, was um einen herum passiert, in Ruhe anschauen muss, um zu wissen, wo man selber steht, was man denkt, wie man entscheiden soll.

Es geht nicht um eine Verklärung unserer Realität. Und auch nicht um eine Verklärung unseres Glaubens. Sondern um Klärung, Klarheit und Entschiedenheit. Es geht um den unverstellten Blick auf Jesus. Und dann – erst dann – strahlen wir ins Leben aus, womit wir im Glauben beseelt werden.

Zum Autor: Pastor Dr. Andreas Rohde ist Leiter der Diözesanstelle Berufungspastoral und Spiritual im Pauluskolleg.

Diesen Artikel teilen:

Ähnliche Artikel