Verlorene Kindheit

Ein Kommentar von Matthias Nückel

Der jetzt vorgelegte Bericht des UN-Kinderhilfswerkes UNICEF zu Kinderehen ist erschreckend. Zwar ist die Zahl der Mädchen und Jungen, die im Kindesalter verheiratet wurden, weltweit zurückgegangen. Doch immer noch sind einige Hundert Millionen Minderjährige – vor allem Mädchen – betroffen

Foto: Lisa Spreckelmeyer / pixelio

 

Der Anteil der Frauen, die schon vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet waren, ist dem Bericht zufolge im vergangenen Jahrzehnt von 25 auf 21 Prozent gefallen. Insgesamt gebe es rund 765 Millionen minderjährig-verheiratete Eheleute. Davon seien etwa 650 Millionen Mädchen. Etwa 115 Millionen der heute 20 bis 24 Jahre alten Männer seien bei ihrer Hochzeit noch Kinder gewesen. Etwa ein Fünftel (23 Millionen) sei damals erst 15 Jahre oder jünger gewesen.

Meistens müssen die Mädchen einen viel älteren Mann heiraten. Das hat schlimme Folgen. „Eine frühe Ehe bedeutet das plötzliche Ende der Kindheit und eine Verletzung der Kinderrechte“, sagt die UNICEF-­Exekutivdirektorin Henrietta Fore. Kinder-Bräutigame seien gezwungen, die verantwortliche Rolle eines Erwachsenen zu übernehmen. Eine frühe Ehe bedeute oft auch eine Vaterschaft und dadurch noch größerer Druck, für die Familie zu sorgen. Aber Fore sieht auch einen Lichtblick: „Durch weitere Forschung, Investitionen und die Stärkung von Jungen und Mädchen können wir diese Kinderrechtsverletzung beenden.“

Kinderehen gehören ebenso wenig wie die Kinderarbeit in eine zivilisierte Welt. Beides hängt miteinander zusammen. Jeder kann jedoch etwas dazu beitragen, dies zu verhindern. Wer Produkte aus Kinderarbeit – wie etwa Kleidung oder sogar Grabsteine – kauft, fördert letztlich das System, dass Minderjährige für Familien sorgen müssen. Deshalb sollten wir alle die Augen aufmachen und darauf achten, dass man durch sein Konsumverhalten keine menschenunwürdigen Strukturen unterstützt.

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