Vertrauensverlust

Ein Kommentar von Matthias Nückel

Fast alle gesellschaftlichen Institutionen in Deutschland verlieren bei den Bürgerinnen und Bürgern weiter an Vertrauen. Nach dem RTL/n-tv-Trendbarometer traf diese Entwicklung besonders stark den Papst (minus 20 Prozentpunkte) sowie die katholische Kirche (minus 9) und die evangelische Kirche (minus 10).

Foto: Tom Kleiner / pixelio

 

In der Rangliste von 26 Institutionen rangieren die evangelische Kirche mit einem Vertrauenswert von 38 Prozent auf Rang 13, der Papst und der Zentralrat der Juden mit 34 Prozent auf Rang 15/16 und die katholische Kirche mit nur 18 Prozent auf Rang 20.

Über die Gründe kann man viel spekulieren. Im katholischen Bereich spielt sicher der Missbrauchsskandal eine große Rolle, der im vergangenen Jahr in den Medien zuhauf thematisiert wurde. Möglicherweise hat auch die evangelische Kirche darunter gelitten, weil viele Menschen nicht mehr zwischen den Konfessionen trennen können und „die Kirche“ als Institution in einen Topf werfen. Hinzu kommt die fortschreitende Säkularisierung der Gesellschaft.

Dass fast alle gesellschaftlichen Institutionen Ansehen verloren haben, ist nur ein schwacher Trost. Wenn nur 18 Prozent der Bundesbürger der katholischen Kirche vertrauen, dann bedeutet dies, dass der Vertrauensverlust bis weit in die eigenen Reihen hineinreicht. Dies ist ein Alarmzeichen, das aufrütteln muss.

Vorrangige Aufgabe der Kirche im neuen Jahr muss es deshalb sein, die Menschen durch gute Arbeit wieder zurückzugewinnen. Denn wenn die Bürgerinnen und Bürger der Kirche nicht mehr vertrauen, dann wird sie die Menschen auch mit der Verkündigung der Frohen Botschaft nicht erreichen. Das aber wäre ein harter Verlust für die ganze Gesellschaft.

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