„Von Himmel und Erde“

„50 Jahre Kolping-Bildungswerk“ in Paderborn: Festgottesdienst im Dom

Paderborn. Mit einem von Erzbischof Hans-Josef Becker zelebrierten Gottesdienst im Hohen Dom und anschließendem Festakt in der Kaiserpfalz hat das große Jubiläumsjahr des Kolping-­Bildungswerkes Paderborn einen würdigen Abschluss gefunden. Geistlichkeit, Politik und Wirtschaft sprachen dem Bildungswerk ihren Dank für an Werten und den Bedürfnissen der Menschen orientierter Bildungsarbeit aus. Inhaltlich wurde der Festakt eine lange Reise in Vergangenheit und Zukunft christlich ausgerichteter Bildungsarbeit. Oder anders formuliert: Es ging um nichts weniger als um Himmel und Erde.

Erzbischof Hans-Josef ­Becker und Konzelebranten beim Festgottesdienst im Dom. Dazu zählten alle noch lebenden Diözesanpräsides des Kolpingwerkes Paderborn: Heinrich Festing, Alois Schröder, Manfred Grothe, Josef Holtkotte, Stephan Schröder, Ansgar Wiemers und der amtierende Präses Stephan Schulz.

 

Während Karl Marx davon ausging, dass das Christentum durch die Vertröstung der notleidenden Menschen auf das Jenseits in praktischer Hinsicht nichts dazu beitrüge, das Elend zu Zeiten der Industrialisierung zu lindern, strafte ihn Adolph Kolping Lügen: „Kolping sah die Not und handelte aus einer christlichen Überzeugung heraus, indem er die jungen Männer sammelte, ihnen Heimat und Bildung bot und praktische Hilfe leistete. Die Kraft und die Motivation dazu empfing er aus dem Evangelium, das ihn dazu antrieb, die Erde in den Blick zu nehmen und nicht nur den Himmel“, so Erzbischof Hans-Josef Becker in seiner Predigt.

Welche Herausforderungen auf den Bildungsträger in der Zukunft warten und welche Rolle das Evangelium dabei spielt, skizzierte der Wirtschaftsjournalist Erik Händeler anschließend in seinem Festvortrag in der Kaiserpfalz, der den passenden Titel „Himmel 4.0“ trug. „In der digitalen Wissensgesellschaft werden der kompetente Umgang mit Wissen und Informationen sowie ein an Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe ausgerichtetes Sozialverhalten die wichtigsten Faktoren der Wertschöpfung“, prophezeite Händeler. „Wir müssen eine positive Streitkultur entwickeln, in die Köpfe der Menschen investieren und seelische Gesundheit als hohes Gut anerkennen, wenn wir unseren Wohlstand auch in den nächsten Jahren sichern wollen“, so der Zukunftsforscher weiter. Das Evangelium spielt laut Händeler dabei deshalb eine so große Rolle, da dort bereits alle Normen und Wertvorstellungen grundgelegt sind, die es zur Bewältigung dieser Aufgabe bedarf. „Nie war es spannender, Kirche und Gesellschaft mitzugestalten als heute“, lautete sein Fazit.

Dass sich aus diesen Herausforderungen zahlreiche Aufgaben auch für das Kolping-­Bildungswerk in Paderborn ableiten lassen, stellte Geschäftsführer Wolfgang Gelhard in seiner Ansprache an die rund 300 Gäste dar. „Unser Handeln ist und bleibt immer auf Innovation ausgerichtet. Wir bearbeiten mit unseren 1 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aktuell zwölf Geschäftsfelder in den Hauptbereichen Qualifizierung, Bildung, Integration und Gesundheit. Wir wissen, dass wir mit unserer Arbeit auch für die Zukunft eine wichtige gesellschaftspolitische Aufgabe erfüllen“, sagte Gelhard. Dabei habe Klasse immer vor Masse gestanden.

Diese Einschätzung teilten für Kreis und Stadt auch Landrat Manfred Müller und Bürgermeister Michael Dreier. Sie überbrachten neben Glückwünschen und Geschenken auch die Botschaft, dass das Bildungswerk mit seiner Arbeit vor Ort einen wichtigen Beitrag für eine solidarische Gesellschaft leiste.

Besonders bewegend waren darüber hinaus die Reden von Prälat Heinrich Festing, der als Gründungsmitglied des Kolping-­Bildungswerkes sprach, und Bundespräses Josef Holtkotte, der lange Jahre Diözesanpräses war. Beide verwiesen auf die historische Leistung der Person Adolph Kolpings, der durch seine Idee der werteorientierten Jugend- und Erwachsenenbildung mutig gegen die Missstände seiner Zeit angekämpft habe.

Der Festakt mit seinem Blick in Vergangenheit und Zukunft, auf Himmel und Erde, fand seinen Ausklang im Hotel Aspethera, das in zahlreich immer wieder eingespielten Videogrußworten als Paradebeispiel für gelungene Inklusion gelobt wurde.

Diesen Artikel teilen:

Ähnliche Artikel