Vor einer Herkulesaufgabe

Gemeindeverbände Hochstift und Bielefeld gehen mit dem Ziel der Fusion aufeinander zu

Bielefeld. Detlef Müller ist neuer Geschäftsführer des katholischen Gemeindeverbandes Minden-Ravensberg-Lippe mit Sitz in Bielefeld. Müller, der auch den Gemeindeverband Hochstift Paderborn leitet, steht nun beiden Verbänden als gemeinsamer Geschäftsführer vor. Die beiden Verbände treten dazu in weitgehende Kooperationen mit dem Ziel der Fusion ein und bilden im Erzbistum Paderborn den Kooperationsraum-Ost.

Aus sieben mach drei: Mit dieser Formel will das Erzbistum Paderborn die Verwaltungsunterstützung der Kirchengemeinden zukunftsfähig machen. Aus den bisher sieben Gemeindeverbänden sollen bis zum Jahr 2025 drei große werden. Dazu sollen die Gemeindeverbände in Kooperationen eingetreten.

Gemeindeverbände übernehmen die Verwaltungsarbeit der katholischen Kirchengemeinden in ihrem Gebiet. Dazu gehören etwa die Personalverwaltung, Haushaltsplanung, Jahresabschlüsse und Rechnungswesen, bautechnische Begleitung und Abwicklung von Versicherungsfällen. Durch diese Unterstützung soll den Haupt- und Ehrenamtlichen vor Ort in den Gemeinden mehr Freiräume für die Seelsorge gegeben werden. Allerdings befinden sich so-wohl Gesellschaft als auch Kirche in einem Wandel.

Zur Vorbereitung auf eine Zeit, in der die Gemeinde­strukturen sich noch weiter verändert haben werden und die Kirchensteuereinnahmen zurückgehen, will das Erzbistum Paderborn deshalb neue Wege in der Verwaltungsunterstützung gehen. So sollen die pastoralen Räume eigene Verwaltungsleiter bekommen und ein bistumsweites Dienstleistungszentrum geschaffen werden. Auf regionaler Ebene gehört dazu die angestrebte Fusion der Gemeindeverbände, die nun mit der Bestellung eines gemeinsamen Geschäftsführers eingeleitet wurde.

Verantwortlich für den Kooperationsraum-Ost und damit für 94 Mitarbeiter ist Detlef Müller, der seit 2001 Geschäftsführer des Gemeindeverbandes Hochstift ist. Damit verbunden ist auch die Geschäftsführung der jeweiligen Kita-Trägergesellschaften. „Eine sehr große Herausforderung“, nennt Detlef Müller seine neue Aufgabe, die er aber mit „Freude und Interesse“ angehe. Er müsse nun 200 Prozent Arbeit so strukturieren, dass sie in 100 Prozent Arbeitszeit passe. Hierfür will er zunächst den neuen Verband mit Dienstsitz in Bielefeld und die Menschen dort besser kennenlernen. Danach sollen Aufgabenfelder und Prozesse verglichen und optimiert werden. Es müssten nun zunächst neue Arbeitsstrukturen geschaffen werden, damit langfristig Synergieeffekte entstehen können. Bei allen Veränderungen bleiben die Standorte Paderborn und Bielefeld als Orte der Beratung bestehen. Müller geht diese Herkulesaufgabe gelassen an. „Dinge entwickeln macht mir Spaß“, sagt der 51-Jährige. Einen besonderen Reiz sieht er auch darin, dass er nun aus dem sehr katholisch geprägten Hochstift in eine Diaspora-Region kommt: 109 Katholiken pro Quadratkilometer im eher ländlichen Hochstift stehen gerade mal 67 im Gemeindeverband Bielefeld gegenüber.

Kraft und Zuversicht zieht Müller auch aus der Tatsache, dass beide Vertreterversammlungen ihn mit großen Mehrheiten als Gesamt-Geschäftsführer bestätigten. „Das ist ein großer Vertrauensvorschuss“, so Müller. Er ist überzeugt: „Die Kooperation und später die Fusion werden gelingen und zu etwas Größerem und Besserem beitragen, wenn sie zusammen mit den Betroffenen behutsam entwickelt werden.“

Zukunftsfähige Kirchenverwaltung: Der gemeinsame Geschäftsführer Detlef Müller (Mitte) mit den Vorsitzenden der beiden Verbandsausschüsse, Pfr. Benedikt Fischer (Paderborn) und Pfr. Norbert Nacke (Bielefeld) (v. l.).

 

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