Vorhang zu, Bühne frei!

Geistlicher Glaubensimpuls

Foto: Gabi Schoenemann / pixelio

 

Ende März ging in Köln eine Ära zu Ende: Im Millowitsch-­Theater fiel der letzte Vorhang. Man muss zugeben: Erst als die Meldungen darüber in den Zeitungen auftauchten, erinnerte man sich. Ach ja, stimmt, das gab es ja auch noch!

von Claudia Auffenberg

Wie nun der Presse zu entnehmen war, hat Peter Millowitsch schon seit vielen Jahren gewusst, dass er einmal das Licht ausmachen wird. Lange hat er durchgehalten und aus eigenen Rücklagen den Laden noch über Wasser gehalten. Warum eigentlich?

Es ist diese merkwürdige Erfahrung, die wir auch in der Kirche und im richtigen Leben machen: Man weiß, dass etwas zu Ende geht, dass die Zeit über etwas längst hinweggegangen ist, aber der Gedanke, die Sache zu beenden, erschreckt. Also hält man sie aufrecht, oft mühsam.

Die alten Griechen kannten den Gott Kairos, den Gott des richtigen Augenblicks, auch die christliche Theologie nutzt diesen Begriff, allerdings – wenn man das richtig verstanden hat – in einer umfassenderen Bedeutung. Der Apostel Paulus schreibt an die Galater: „Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn.“ Die ersten öffentlichen Worte des irdischen Jesus sind: „Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe.“ Wenn die Zeit erfüllt ist, dann ist der Kairos da, dann ist also aus christlicher Sicht der richtige Augenblick immer. Es gibt keinen falschen Zeitpunkt.

Ach, aber das Leben fühlt sich manchmal sehr unpassend an. Außerdem ist das Reich Gottes nahe, aber noch nicht da oder nicht ganz fertig. Auch solch ein Gefühl kennt die Bibel, die Evangelisten erzählen ihren Lesern von dieser Zwischenzeit bis zur Wiederkunft des Herrn, die es zu bestehen gilt. Was ist zu tun? Zwei Dinge: Die Zeichen der Zeit erkennen und sich am Handeln Jesu orientieren.

Was tut Peter Millowitsch jetzt? Das, was er immer getan hat, aber ohne Druck, dafür mit Spaß. Er spielt Theater. Und was können wir bei Kirchens tun? Vielleicht ähnliches: das tun, was Christen immer getan haben, ohne Druck, dafür mit Freude: Christ sein.

Diesen Artikel teilen:

Ähnliche Artikel