Warum liest man das nie?

Foto: KNA

 

Zu den morgendlichen Bekümmernissen zählt die Lektüre der Todesanzeigen. Weil man liest, wer nicht mehr da ist und wer da trauert. Weil man mehr oder weniger hilflos auch das Sterben einer doch so wichtigen Kultur mit ansehen muss, der gemeinsamen, öffentlichen Trauer nämlich.

von Claudia Auffenberg

 

Doch neulich fiel noch etwas auf: In einer Todesanzeige bzw. in einer Danksagung in der Süddeutschen Zeitung, die ja nicht nur eine überregionale, sondern auch eine Münchener Tageszeitung ist, war zu lesen: „Ein herzliches Vergelt’s Gott H. H. Dekan Bauernfeind für die Krankensalbung, H. H. Pfarrer Klein für die tröstenden Gespräche und die würdevolle Gestaltung der Trauerfeierlichkeiten …“ Hat man so was in der eigenen Lokalzeitung schon mal gelesen? Natürlich, Ärzten wird für die gute Begleitung gedankt, auch Pflegeteams oder Einrichtungen, sogar Apotheken, aber Seelsorgern? Einen Dank an Pfarrer Soundso oder Gemeindereferentin NN liest man fast nie. Warum eigentlich nicht?


Das kann nun mehrere Gründe haben. Der banalste: weil man es nie liest. Soll heißen: Es kommt kaum jemand auf die Idee. Den gegenteiligen Fall kann man bei dem Hinweis, man möge bitte von Beileidsbekundungen absehen, beobachten. Das scheint ja inzwischen eine Art Standardsatz zu sein, der sich mehr und mehr durchsetzt und unüberlegt übernommen wird.


Ein anderer Grund könnte sein, dass die seelsorgliche Begleitung gar nicht „stattgefunden“ hat: weil auch sie inzwischen aus der Mode gekommen ist oder weil der Pfarrer mutmaßlich eh keine Zeit hat zu kommen, weil man den Pfarrer nicht kennt, weil man gar nicht weiß, wo man anrufen oder um was man bitten soll oder weil man vielleicht mal schlechte Erfahrungen gemacht hat … Es gibt womöglich viele Gründe dafür, dass man so was praktisch nie in der Zeitung liest. Aber vielleicht gibt es irgendwann einen Grund dafür, dass man so was doch mal in der Zeitung liest.

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