Was ist da los?

Geistlicher Glaubensimpuls

Foto: J.Bredehorn / pixelio

 

In der Tankstelle steht ein Mann an der Kasse, der zwar ordentlich tankt, allerdings kein Benzin. In sämtliche Taschen seiner Jacke stopft er kleine Flaschen, in denen wohl Wod­ka oder so was ist. Er redet freundlich mit der Kassiererin, bezahlt, dreht sich um, entschuldigt sich – wofür auch immer – und geht. Meine Güte, ist das traurig.

von Claudia Auffenberg

„Ja“, sagt die Kassiererin, „solche haben wir hier einige.“

Solche, das sind diese irgendwie verlorenen Gestalten. Der Mann war sicher kein Obdachloser, aber auch kein reicher Mann. Was mag ihm das Leben zugemutet haben? Er ist doch so nicht auf die Welt gekommen! An welcher Stelle ist er vom Weg abgekommen, wo falsch abgebogen? Gab es Menschen, die ihn hätten halten können? Hat es überhaupt jemand bemerkt? Ist er einsam? Oder leidet eine ganze Familie unter ihm? Diese kurze Begegnung in der Tankstelle ist eine der irritierenden Geschichten, die einen traurig, nachdenklich, hilflos und dankbar zugleich machen. Na ja, dankbar … Darf man angesichts einer solchen Situation dankbar dafür sein, dass man bislang davongekommen ist, dass man hier Benzin getankt hat und keinen Alkohol? Vielleicht ja, wenn einen die Dankbarkeit nicht absondert, wenn sie nicht dazu führt, dass man sich herausgehoben fühlt, besser als jener.

In den Augen Gottes gibt es keinen, der besser oder würdiger ist als der andere. So möchte man das glauben. Alles andere wäre schrecklich! Aber solche Menschen zu erleben, macht einem diese Hoffnung auch nicht leichter. Lieber Gott, möchte man rufen, was ist denn da bloß los?

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