„Wer spielen kann, wird eingesetzt“

Vinzenz Laarmann sieht in der C-Prüfung als Kirchenmusiker viele Vorteile

Lünen. Vinzenz Laarmann legte als 15-Jähriger seine C-Prüfung zum Kirchenmusiker ab. Heute, mit erst 18 Jahren, ist er als Organist in Kirchengemeinden sehr begehrt.

Vinzenz Laarmann an der Orgel im Paderborner Dom: „Die C-Prüfung ist machbar.“ Foto: Privat

 

von Matthias Nückel

„Die C-Prüfung ist machbar, weil sie individuell angepasst wird“, sagt Vinzenz Laarmann rückblickend. „Als Anfänger wurden bei mir nicht die ganz schweren Stücke erwartet, wie bei jemandem, der schon acht oder neun Jahre Orgel spielt.“

Begonnen hat die Musiker-­Laufbahn von Vinzenz Laarmann in seiner Heimat Lünen mit einem Keyboard. „Das war mein Einstiegsin­strument“, erzählt er. Als er damit nicht mehr zufrieden war, wechselte er zur Orgel. Glücklicherweise kannten seine Großeltern einen Orgel-Lehrer, der dem Jungen Unterricht gab.

„Nachdem ich ein Jahr gelernt hatte, habe ich meinen ersten Gottesdienst gespielt“, berichtet der junge Mann. Ohne ihn wäre die Messe ohne Orgelbegleitung geblieben. Doch so war beiden Seiten gedient. Die Gottesdienstbesucher konnten mit musikalischer Begleitung singen. „Und ich konnte weiter üben“, sagt Laarmann.

Zunächst scherzhaft schlug seine Mutter vor, doch den C-Kurs als Kirchenmusiker zu machen. Aber der damals 14-Jährige nahm die Sache ernst und meldete sich zum Kurs an. „Weil Lünen teils zum Bistum Münster und teils zum Erzbistum Paderborn gehört, hatte ich die Wahl, wo ich mich zur Ausbildung anmelden wollte“, meint er. Vinzenz Laarmann entschied sich für das Erzbistum Paderborn, weil der Kurs in Dortmund für ihn gut zu erreichen war.

Der C-Kurs – das bedeutete nun ein Mal in der Woche 45 Minuten Praxis und drei Mal in der Woche Theorie. Obwohl er auch auf einige junge Kurs­teilnehmer stieß, hatte der angehende Organist bei den Gruppenstunden ein Problem: „Als 14-Jähriger war ich der Jüngste. Und ich musste mich mit anderen messen, die schon 30 Jahre Instrumentalerfahrung hatten“, berichtet er und fügt hinzu: „Da wurde ich schlagartig erwachsen.“

Die Stimme allerdings machte diesen Sprung ins Erwachsenenleben nicht mit. „Ich musste mit 14 im C-Kurs auch singen lernen“, erzählt Vinzenz Laarmann. „Und dann lernen Sie mal mitten im Stimmbruch singen“, amüsiert er sich heute über das Problem. Bei der Prüfung jedoch wurde dies berücksichtigt und Laarmann stieß auf „gnädige Prüfer“.

„Unmenschlich war es nicht“, zieht der Organist rückblickend Bilanz. Und auch den Zeitaufwand, den er aufbringen musste, wertet er nicht negativ. Denn die ­C-­Prüfung brachte ihm auch Vorteile. So nutzte es ihm im Schul­orchester, dass er vom Blatt spielen konnte. Und der C-Kurs bildete auch die Grund­lage für seine berufliche Laufbahn. Denn heute studiert Vinzenz Laarmann Musik und katholische Theologie auf Lehramt.

Nebenbei spielt er in drei bis vier Gottesdiensten pro Woche die Orgel. „Gefühlt gibt es weniger Organisten als Priester. Wenn man spielen kann, dann wird man auch eingesetzt“, stellt er fest. Dabei ist er sowohl bistums- als auch stadt­übergreifend und teilweise konfessionsübergreifend unterwegs. „Als Student tut es zudem gut, wenn man sich etwas dazuverdienen kann“, freut sich Laarmann über ein Zubrot durch das Orgelspielen.

Von der Musikliteratur her ist Vinzenz Laarmann trotz seines Alters eher klassisch ausgerichtet. „Bach ist immer toll“, betont er. Auch den französischen Orgelstil findet er schön. „Ungern“ spielt er das „Neue Geistliche Lied“. „Das ist musikalisch nicht die Höhe“, sagt er ganz offen. Bei Improvisationen versucht der junge Organist auch schon mal, bekannte Melodien zu verfremden. „Dann rätseln anschließend der Pastor, der Küster und die Messdiener, welches Lied es war“, erzählt Laarmann und fügt hinzu: „Am Ende gewinnt ein Messdiener.“

Zu den Orgeln, auf denen er am liebsten spielt, gehört natürlich die Königin der Instrumente in seiner Heimatpfarrei St. Marien in Lünen, aber auch die Orgel in der Dortmunder Propsteikirche – und nicht zuletzt die im November 2009 geweihte romantische Marienorgel in Witten.

 

(Weitere Texte zum Thema finden Sie in der gedruckten Ausgabe des Dom Nr. 24/2017)

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