Wo? Wie? Was?

Über pastorale Orte und ihre Erkennungsmerkmale

Interessantes Warnschild. Foto: IBV2012/photocase

 

Wirklich, man sollte einen Warnhinweis auf die Bibel kleben: Achtung, lesen gefährdet Ihre Konzepte! Das mal als Vorbemerkung, nun zur Sache: Allen, die irgendwie im Bistum in einem Gremium mitarbeiten und/oder regelmäßig die Kirchenzeitung lesen, ist in den letzten Monaten der Begriff „pastoraler Ort“ begegnet. Das ist bzw. soll ein Ort sein, an dem Pastoral stattfindet, an dem also die Kirche handelt, an dem man irgendwie mit Gott in Berührung kommt. So weit, so unklar.

von Claudia Auffenberg

Was genau sind nun „pastorale Orte“? Woran kann man sie erkennen? Sind das vor allem kirchliche Orte: Pfarrheime, katholische Kindergärten oder Klöster? Und was genau geschieht dort pastoral?

An der KatHO NRW, dort, wo unter anderem die zukünftigen Gemeindereferentinnen und -referenten ausgebildet werden, gibt es das Institut für pastorale Praxisforschung und bibelorientierte Praxisbegleitung, kurz IbiP. Dieses IbiP hat es sich zur Aufgabe gemacht, für heilsame, weil eben bi­b-lisch fundierte Verwirrung zu sorgen und ein bisschen Sand ins allzu schneidig organisierte Pastoralgetriebe zu streuen. Dies ist jetzt nicht die offizielle Selbstbeschreibung, aber wirklich dagegen hätte dort wohl niemand etwas.

„Wohin gehört die Pastoral?“, lautete jetzt die Frage einer Fachtagung, bei der Institutsleiterin Prof. Christiane Koch und KathHO-Rektor Prof. Hans Hobelsberger eine Geschichte aus dem sogenannten Alten Testament, genauer gesagt, aus dem Buch Josua präsentierten. Darin geht es – ähnlich wie schon im letzten DOM an dieser Stelle – um zwei Kundschafter, die das gelobte Land, konkret die Stadt Jericho, erkunden sollen. Sie machen sich auf den Weg und kommen in das Haus der Rahab, einer Dirne, die sie bei sich aufnimmt und versteckt, als der König von Jericho von den Fremden erfährt und nach ihnen fahndet. Rahab bringt die beiden Männer auf ihren Dachboden und hält ihnen dort eine kleine theologische Ansprache, die in dem Satz gipfelt: „Der Herr, euer Gott, ist Gott droben im Himmel und hier unten auf der Erde.“ Mit anderen Worten: Gott ist überall. Dann verschafft die Dirne ihnen durchs Fenster freien Abzug – das Haus liegt an der Stadtmauer – allerdings nicht, ohne von ihnen einzufordern, sie und ihre Familie am Leben zu lassen, wenn sie in ein paar Tagen als Eroberer zurückkehren.

Um die Tragweite dieser Situation zu begreifen: Die Kundschafter sollen das Land erkunden. Darüber aber erfahren sie im Prinzip gar nichts. Was sie suchen, finden sie also nicht. Was sie dagegen finden, ist eine Verheißung und eine Berufung: Gott ist überall und nicht nur da, wo ihr ihn vermutet – da womöglich am wenigsten. Und: Macht was mit dieser Zusage, rettet (mein) Leben!

Was heißt das nun für die Pastoral? Was sind „pastorale Orte“? Die Antwort ist nicht leicht, aber so viel kann man sicher sagen: Ein Schild an der Tür macht noch keinen „pastoralen Ort“. Es könnte vielmehr sein, dass man zum Beispiel in eine Pizzeria hi­nein- und aus einem „pastoralen Ort“ wieder herausgeht. Warum? Weil einen dort die Gegenwart Gottes ergriffen hat – wie auch immer das geschehen ist.

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