Wut und Fragen

Ein Kommentar von Matthias Nückel

Dunkle Schatten lagen in diesem Jahr über den Kar- und Ostertagen.

Foto: Peter Hebgen / pixelio

 

Zu Beginn der Karwoche wurde die Kathe

drale Notre-Dame in Paris ein Opfer der Flammen. Das Feuer richtete große Schäden an. Am Mittwoch verunglückte ein Bus auf der Urlaubsinsel Madeira. 29 deutsche Touristen, die eigentlich einen unbeschwerten Osterurlaub verbringen wollten, starben. Und am Ostersonntag kam es noch schlimmer. Bei einer Serie von Anschlägen auf Sri Lanka kamen fast 300 Menschen ums Leben, etwa 500 Kinder, Frauen und Männer wurden verletzt.

Die Attentate galten gezielt katholischen Christen und Touristen. In drei Kirchen, in denen Christen Ostergottesdienste feierten, und in drei Luxushotels explodierten die Bomben. Bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe waren die Hintergründe noch unklar, obwohl viel auf islamistische Sebstmordattentäter hindeutete.Der Erzbischof von Colombo, Kardinal Albert Malcolm Ranjith, machte zunächst seiner Wut Luft. Er forderte die Regierung auf, die Täter zu finden und hart zu bestrafen. Denn so etwas könnten „nur Tiere tun“, sagte er wörtlich. Auch wenn manche jetzt die Nase rümpfen und meinen, diese Aussagen seien nicht gerade christlich – mehr als verständlich ist die Wut des Kardinals allemal. Etwas später appellierte er an die Katholiken, „dass sie dem Beispiel Jesu Christi folgen, der am Kreuz jenen vergeben hat, die ihn kreuzigten“.

Gleichwohl muss nach diesem Osterfest – nach all dem Unglück und Terror – die Frage erlaubt sein, wie Gott so etwas auf seiner Erde zulassen kann. Gehört es etwa zum Plan in seiner Schöpfung, dass Christen, die für den Frieden beten, Opfer von menschenverachtenden Terroristen werden? Über die Frage, warum Gott so viel Leid zulässt, sind schon viele Bücher geschrieben worden. Doch für Menschen, die direkt vom Leid betroffen sind, ist jede Antwort in ihren Nöten erst einmal unbefriedigend.

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