
Ein Heimat-Zeugnis
Die eine Partei kann ein Gebäude auf Dauer nicht halten, die andere braucht es und will es sanieren, hat aber nicht das Geld dazu. In einer solchen Lage ist Zusammenarbeit gefragt.
Das Pfarrheim in Buke steht unübersehbar im Mittelpunkt des Dorfes, direkt gegenüber der Kirche St. Dionysius. Seit einem halben Jahrhundert treffen sich hier nicht nur die Mitglieder der katholischen Kirchengemeinde. Auch die Vereine sind gerne und oft im Pfarrheim, etwa die Buker Husaren, die im Haus proben und den Nachwuchs ausbilden.
1878 entstand das Gebäude als „Knabenschule“. Knapp ein Jahrhundert später, in den 1970er-Jahren, kaufte die Kirchengemeinde St. Dionysius die ehemalige Schule. Mittlerweile ist das auch schon wieder ein halbes Jahrhundert her, das Pfarrheim ist in die Jahre gekommen. Es erfüllt seine Funktion, aber der Sanierungsstau ist hoch.Das wäre für jeden Besitzer eine Herausforderung, aber in diesem Fall ist die Sache besonders schwierig. Die katholische Kirchengemeinde und der Pastorale Raum „An Egge und Lippe“, zu dem St. Dionysius gehört, hätten die Sanierung allein kaum stemmen können. Außerdem verfolgt die katholische Kirche im Erzbistum Paderborn seit einiger Zeit eine neue Strategie im Umgang mit Immobilien. Der Bestand an Gebäuden soll in allen pastoralen Räumen um bis zu einem Drittel reduziert werden. Die Kirche schrumpft, der Immobilienbestand ist mittlerweile zu groß und – siehe Buke – auch zu teuer.
Die Kirche konnte auf Dauer das Haus nicht halten, das Dorf wollte es auf jeden Fall erhalten. Zusammengekommen sind beide Seiten, weil in Buke das Vereins- und Dorfleben funktioniert – und weil es Menschen gibt wie den geschäftsführenden Kirchenvorstand Udo Waldhoff. Er war ein wichtiger Vermittler. Nach gut drei Jahrzehnten im Kirchenvorstand weiß er, wie die Institution Kirche „tickt“, als echter Buker ist er im Dorf so gut vernetzt, wie man nur sein kann.
Glückliches Ende
Für ein wirklich glückliches Ende fehlte jedoch das Geld für eine Sanierung. Das rückte in erreichbare Nähe, als die nordrhein-westfälische Heimatministerin Ina Scharrenbach 2023 Buke besuchte. Die Ministerin entschied damals, das Land werde in die Finanzierung eines „Heimat-Zeugnisses“ für Buke eintreten, wenn alle Vorbedingungen erfüllt seien. 2024 war klar, die Finanzierung vom Land kommt. Mittlerweile hatte ein Trägerverein das Pfarrheim für den symbolischen Preis von einem Euro von der Kirchengemeinde erworben.
1,6 Millionen Euro werden die Sanierung und ein Anbau kosten. Den Löwenanteil, etwa 90 Prozent der Gesamtsumme, übernimmt das Land NRW. Der Rest ist immer noch beträchtlich. Er soll durch Spenden und Beiträge aus der Energiestiftung der an Windkraft reichen Eggeregion sowie durch ehrenamtliche Eigenleistungen zusammenkommen. Die Gemeinde Altenbeken beteiligt sich mit 100 000 Euro an dem Projekt.Die Bauarbeiten sollen bald beginnen. Das Gebäude wird nicht nur barrierefrei und um den Anbau erweitert. Geplant ist eine Wärmepumpe, die Strom aus der Photovoltaik auf dem Dach und aus dem dazugehörigen Stromspeicher bezieht.
Die laufenden Kosten im Heimathaus werden etwa 15 000 Euro im Jahr ausmachen. Trotzdem soll die Nutzung durch die Vereine weiter unentgeltlich erfolgen – für die Nebenkosten will der Trägerverein nur eine Pauschale verlangen. Das ist möglich, weil die Gemeinde Altenbeken und das Land den laufenden Betrieb unterstützen.Gewonnen haben am Ende alle: die Buker, weil sie jetzt ein eigenes Heimathaus haben, die Kirche, weil sie eine „Problemimmobilie“ in gute Hände geben konnte. Notwendig aber war die Bereitschaft aller Beteiligten zur Zusammenarbeit – und der Wille der Buker, sich für das Heimathaus, ihr „Heimat-Zeugnis“, zu engagieren.