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02.04.2025
Straßenseitige Ansicht der mittelalterlichen Brunsteinkapelle in Soest.
Foto / Quelle: Wolfgang Detemple

Von der Kunst zur Umnutzung: Die Brunsteinkapelle in Soest

LWL zeichnet Denkmal des Monats April aus.

Soest

Die Brunsteinkapelle in Soest ist das Denkmal des Monats April des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL). Die Kapelle, die auf eine 700-jährige Nutzungsgeschichte zurückblickt, wurde in den vergangenen Jahren denkmalgerecht saniert und modernisiert. Heute gilt sie als ein positives Beispiel dafür, wie ein Baudenkmal aus dem 14. Jahrhundert der Öffentlichkeit und kommenden Generationen zugänglich gemacht werden kann – als kulturelle Veranstaltungsstätte für Trauungen, Lesungen und Konzerte.

Der Kapellenbau wurde um 1320 bis 1400 durch die Stiftungen mehrerer einander nachfolgender Patrizierfamilien geschaffen. „Im Laufe der Jahrhunderte erlebte die Kapelle eine wechselvolle Nutzungsgeschichte“, erklärt LWL-Denkmalpfleger Dr. Denis Kretzschmar. Es wechselten sich Patronate von Patriziergeschlechtern, kommunale und kirchlich-konfessionelle Verantwortlichkeiten ab. Es gab Interimslösungen, zeitweiligen Leerstand, Instandsetzungen und Umnutzungen. „Die Inschrift in der Glocke der Kapelle verdeutlicht diese wechselhafte Geschichte“, so Kretzschmar. Sie lautet: „Die Reformierte Gemeinde binnen Soist haben mich umbgiesen lassen im Jahr 1727.“

1998 wurde die Brunsteinkapelle erstmals für nicht sakrale Zwecke genutzt, als der lokale Künstler Fritz Risken hier sein Atelier einrichtete. In der Folge wurde die Kapelle entwidmet. 2021 verkaufte die evangelische Petri-Pauligemeinde die Kapelle an eine private Eigentümerfamilie, „die sich seitdem mit hohem Engagement dem denkmalgeschützten Kapellenbau widmet“, so Kretzschmar.

Blick in den Saal mit Empore.
Atelier des Künstlers Fritz Risken im Kapellensaal.
Blick in den Chor mit den aufgedeckten Grabplatten während der Maßnahme.
Der Chor mit Altartisch (17. Jahrhundert) und Kanzel (1553) nach Abschluss der Maßnahme.
Fertiggestellter Saal mit Empore.

Vom Frühjahr 2023 bis Sommer 2024 fanden die Arbeiten zur aktuellen Umnutzung statt. Unter Beteiligung der Unteren Denkmalbehörde der Stadt Soest, der Stadtarchäologie sowie der LWL-Denkmalpflege führte ein im Bereich der Denkmalpflege versiertes Team aus Architektur und Handwerk die Maßnahmen aus. „Die Bausubstanz und Ausstattung wurden denkmalgerecht restauriert und jüngere, nicht denkmalwerte Einbauten entfernt“, erklärt LWL-Denkmalpfleger Kretzschmar. „Außerdem wurden energetische Maßnahmen mit einem neuen Heizungssystem umgesetzt und eine an die Nutzung angepasste Lichttechnik eingebracht.“ Zudem wurden zeitgemäße Funktionsräume wie Sanitäranlagen, Teeküche und Technik außerhalb der Kapelle im bereits vorhandenen rückwärtigen Anbau eingerichtet, der nun durch den zweiten baulichen Rettungsweg auch unmittelbar mit dem Kapellensaal verbunden ist.

„Eine besondere Herausforderung stellten die im Lehmboden eingebetteten Grab- und Gedächtnisplatten dar, die durch die Rückbauarbeiten wieder aufgedeckt wurden“, erzählt Kretzschmar. „Die Platten mit Inschriften und Familienwappen des 17. und 18. Jahrhunderts nehmen fast die gesamte Fläche des Kapellenbodens ein. Verwitterungsspuren unterschiedlicher Intensität zeigen uns, dass sie ehemals auf einem Kirchhof standen.“ Beim Einbau der Fußbodenheizung mit einem Estrich wurde ein Aufbau geplant, der verhindert, dass die Grabplatten durch einen eventuellen Feuchtestau oder durch zusätzliches Gewicht Schaden nehmen. Dies gelang durch Drainagematten und Lüftungsschlitze. „Für die Besucherinnen und Besucher der Kapelle besonders schön: Durch Sichtfenster im Boden sind einige der Grabplatten weiterhin zu sehen“, so Kretzschmar.

Mit der Baumaßnahme im Innenraum wurde die letzte von ehemals 20 durch Patrizierfamilien gestifteten mittelalterlichen Kapellen in Soest für die nächste Generation aufgewertet und erneut in Nutzung gebracht. Anlässlich des Tages des offenen Denkmals im September 2025 öffnete die Brunsteinkapelle wieder ihre Türen für die Öffentlichkeit, die dort heute für Veranstaltungen wie Trauungen, Konzerte oder Lesungen Einlass findet.

lwl

Hintergrund: Umnutzung von sakralen Bauten

Der von Seiten der Kirchen eingeleitete Strukturwandel bringt für die kirchlichen Gemeinden Herausforderungen mit sich. So stellen sie derzeit ihre Immobilien auf den Prüfstand: Diejenigen, die künftig nicht mehr für die liturgischen, erzieherischen und karitativen Zwecke notwendig sind, sollen möglichst umgenutzt bzw. veräußert werden. So auch im Falle der Brunsteinkapelle.

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